Anlässlich der Überreichung des Katharina-von-Bora-Preises
am 2. Oktober 2026 in der Schlosskirche Torgau
Laudatoren: Dr. Regina Lorek und Norbert Diehl, Vorstände der Diehl-Zesewitz-Stiftung
Liebe Christine,
liebe (Ehren-)Gäste,
liebe Zeit-Stifter:innen,
auf den Tag genau – heute vor zwanzig Jahren – war Christines erster Arbeitstag für die Stiftung. Wir beide werden Christine in dieser Laudatio nicht Frau Kewitz nennen, sondern mit dem Vornamen. Es ist ohnehin nicht so ganz einfach als Bruder und als Chef eine Laudatio auf die eigene Schwester und Mitarbeiterin zu halten. Insofern sehen Sie es uns nach, wenn wir Ihnen keine objektive Distanz vorgaukeln wollen, sondern hier deutlich unsere Mitfreude und positive Mitbetroffenheit zum Ausdruck bringen.
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Also – vor 20 Jahren begann Christine für die Stiftung zu arbeiten. Das war ein ziemlich mutiger Schritt und keine geradlinige Karriereplanung. Sie kündigte ihre sichere Stelle in einer Arztpraxis und ließ sich auf das Abenteuer ein, eine ZeitOase aufzubauen. Wobei – damals gab es keine Vorstellung davon, was eine ZeitOase sein könnte. Es gab nicht einmal den Namen dafür. Den hat Christine nämlich erst erfunden.
Ja – Christine – Du hast diesem Ort einen Namen gegeben. ZeitOase. Ein schönes Wort. Eine Oase ist ein Ort, an dem man auftanken kann. Und eine ZeitOase ist ein Ort, an dem Menschen einander Zeit schenken. Dieser Begriff ist inzwischen Teil der Sprache unserer Stiftung geworden. Aber eigentlich kommt er von Dir.
Und Du hast den Begriff mit eigenem Leben gefüllt. Du machtst nicht nur Besuche und organisierst Treffen. Du sprichst auch Menschen zum Mittun an und bautest ein großes Netzwerk auf. Du hast zusätzlich ein Gedächtnistraining ins Leben gerufen. Und in der ZeitOase steht der Tisch selbstverständlich im Zentrum. Oft als Kaffeetafel. Vor Corona wurde in der ZeitOase auch regelmäßig gekocht und zu einem gemeinsamen Mittagessen eingeladen.
Ich finde, an dieser Stelle hat Christine auch wirklich etwas mit der Namensgeberin des Preises gemeinsam.
Du meinst, weil Katharina im ersten familiären Pfarrhaushalt überhaupt auch das Miteinander und die Gespräche rund um den Tisch im Pfarrhaus organisierte?
Ja genau. Katharina prägte nicht nur die Atmosphäre, sondern hatte auch etwas zu sagen. Sie sorgte dafür, dass Studenten, Gäste und Mitlebende sich wie eine große Familie fühlen konnten. Wenn Du die Zeit-Stifter:innen und Dank-Stifter:innen in der Torgauer ZeitOase fragen würdest, würden sie tatsächlich für die Treffen in der ZeitOase auch eine familiäre Sprache benutzen – so als wäre die ZeitOase der große Familientisch, um den sich alle treffen und neben dem Kuchen ihre Lebensgeschichten, Sorgen und auch Freuden teilen. Da wird erzählt und gelacht, getanzt und auch mal gemalt, gesungen oder erinnert.
Eine der Dankstifter:innen, Doris, war es auch, die ganz ohne unser oder Christines Wissen den Vorschlag eingebracht hat, Christine zur Preisträgerin zu machen, weil sie – wie sie selbst sagt – „als Neubürgerin aus dem Westen“ durch die ZeitOase das Gefühl bekam, in Torgau eine neue Heimat zu finden. Leider ist sie noch bei einem Klinikaufenthalt. Sie hätte sich sehr gewünscht, diesen Moment heute live mitzuerleben. Vielleicht können wir sie aber mit ein paar ihrer eigenen Worte doch hier mit in den Raum holen.
Doris schreibt:
„Christine behandelt jede und jeden von Herzen, kümmert sich um Kranke und auch um Menschen, die bald nicht mehr unter uns sind. Sie macht jeden Nachmittag mit Geschichten und Themen, bei denen wir älteren Bürger noch viel lernen können, zu einem Erlebnis. Jeder freut sich auf die gemeinsamen Stunden Woche für Woche in der Zeitoase.
Liebe Christine, Danke Danke, für Dein Lächeln, Dein offenes Ohr, Deine Hilfsbereitschaft, Deinen Humor, Deine Geduld, Deine freundliche Art und Weise, Deine Unterstützung, Deine Offenheit, Deinen Trost und Deine Aufmunterung. Danke einfach für Alles.“
Besser können wir es auch nicht sagen. Aus vielen Menschen, die ihre Zeit schenken, ist ein Ort geworden, auf den sich Menschen freuen.
Damit das gelingt, machst Du Dir Gedanken, hältst Dein Herz offen und verbindest und überbrückst an den Stellen, wo eine besondere Aufmerksamkeit, ein Dank, ein Gesehenwerden oder „In Ruhe so sein dürfen“ für das Wohl aller nötig ist. Und Du investierst viele Stunden Zeit, Energie und Herzblut jenseits der klassischen Arbeitszeiten.
Und gleichzeitig stehen in gewisser Weise heute noch viel mehr Menschen mit auf dieser Bühne. Die Zeitstifterinnen und Zeitstifter. Die Dankstifterinnen und Dankstifter. Diejenigen, die Geld stiften, Kuchen oder Fahrtkilometer… Alle, die über 20 Jahre dazu beigetragen haben, dass aus einem Raum nicht nur ein Begegnungs-, sondern vor allem ein Beziehungsort geworden ist.
Liebe Christine,
ich weiß, dass unsere Eltern heute sicher auch stolz aus ihrer himmlischen Perspektive auf Dich schauen. Wir freuen uns jedenfalls schon auf das, was Du bis zu Deinem 70. Geburtstag noch an Beziehungsstiftungen auf den Weg bringen willst.
