21. Juli 2021
Vor einiger Zeit erfuhr ich von dem schönen Brauch in einer Grundschule in Mecklenburg-Vorpommern, die ABC -Schützen in das Schulleben „einzuschwingen“. Jedes Kind wird in ein Schwungtusch gelegt und von Lehrer:innen und Eltern mit guten Wünschen für den nötigen Elan zum Lernen in den neuen Lebensabschnitt praktisch sanft hineingeworfen.
Während unseres Stiftungsnachmittages am 21. Juli bedankten wir uns bei Zeit-Stifterin Lisa Hinz für ihr Mittun bei vielen Zusammenkünften hier in der ZeitOase. Sie ging noch in die Grundschule, als ihre Mama Katrin sie bereits zu den Stiftungstreffen mitbrachte. Sie wuchs quasi vor unseren Augen zu einer fleißigen Helferin heran.
Sie selbst sagte rückblickend: „Die Stiftung ist für mich ein Ort des Beisammenseins, der Freude und des Nachhausekommens. Ich bin in ihr und mit ihr gewachsen. Deshalb komme ich immer gern wieder – an einen Ort, wo wirklich etwas getan wird – Zeit gestiftet“. Lisa hat ihre Schulzeit mit dem Erhalt des Abiturzeugnisses beendet. Dazu haben wir sie beglückwünscht. Einige Dank – und Zeit-Stifter:innen durften sie – inspiriert vom norddeutschen Brauch - „ausschwingen“. Mit bunten Grüßen und den allerbesten Wünschen durften wir sie symbolisch sanft in den wiederum neuen Lebensabschnitt hineinwerfen. M. Diehl
Hier können Sie einen kleinen Einblick in die Arbeit unserer ZeitOase® Magdeburg gewinnen.
Erntezeit und neue Aussaat
Da berührten sich Himmel und Erde
Wenn wir einen Tag morgens beginnen, ahnen wir meistens nicht, was wir am Abend in unser Lebenstagebuch schreiben werden.
Am 2. Juni 2021 können wir im Tagebuch der ZeitOase Magdeburg folgendes lesen: Auf sonnigem Weg zogen nach fast sieben monatiger Pause wieder Dank-und Zeit-Stifter:innen über die Harsdorfer Straße zur Orangerie. Wie sehr haben wir alle uns das Beisammensein in dieser Gruppe erhofft und gewünscht. Maria Hein hatte extra ihre Mundharmonika mitgenommen, um mit ein paar Melodien ihre Freude zum Ausdruck zu bringen.
Am 5. Juni 2021 ist vermerkt: Ein Geburtstagsständchen zur Gitarre erhielt Ernesta Kühne von ihrer Patin Petra Metzner. Beschenkt wurden darüber hinaus aber auch alle Nachbarinnen und Nachbarn von Frau Kühne und das diensthabende Pflegepersonal. Im Innenhof des Bischof-Weskamm-Hauses 1 gab es zur Feier des Tages ein kleines Konzert, dargeboten von Petra Metzner am Akkordeon und Hartmut Hasselberg an der Violine.
Es fällt mir schwer, die Gefühle in diesen besonderen Momenten in Worte zu fassen. In den Gesichtern aller Frauen und Männer an beiden Nachmittagen konnte ich buchstäblich lesen und erahnen, wie Himmel und Erde sich in unserem Leben berühren. M. Diehl
Gesichter Geschichten
Geburtstage, Frühlingsbeginn, Vorbereitung auf Ostern, Abschied von Magdeburg und bei allen Aktivitäten immer noch strenge Auflagen des Lockdowns:
10. März: Runder Geburtstag in kleiner Runde. Zeit-Stifter Bernhard Beier ist heute 80 Jahre alt. Unser Ständchen kommt auf verschiedenen Wegen zu ihm. „Bitte bleib noch lange fröhlich und gesund!“ Auch wenn wir nicht zusammen sein können an diesem Tag, so schallt der Chorgesang von uns allen direkt in sein Herz: „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst …“
15. März: Leonore Grahli wird Magdeburg in ein paar Tagen verlassen und in ein Haus der Don Bosco Schwestern nach Rottenbuch ziehen. Koordinatorin Margitta Diehl dankt ihr für die Liebe und für jede Stunde, die sie im Rahmen der Stiftungsarbeit 9 Jahre lang den Menschen geschenkt hat. „Zeit-Stifterin kann ich überall sein. Den Dienst werde ich dort nach meinen Kräften weiterhin tun“, versprach sie beim Abschied und empfing gerne unsere Ehren-Zeitstifterinnen-Urkunde.
24. März: Große Freude erlebt Maria Beuchel, als sie ihre kleine Geburtstagskaffeetafel in der ZeitOase erblickt. Nach einem Jahr endlich mal wieder hier sein! Die übliche Gästeschar darf nicht kommen, aber Glückwünsche und Gedanken finden trotzdem den Weg zu ihr.
26. März: Mechthild Scholz gestaltet wieder Ostergrüße für die Heimbewohner:innen. 30 Gestecke können verteilt werden. Welch ein schöner Blickfang für jedes Zimmer. „Danke für dieses liebevolle Geschenk“, sagt im Namen aller Dank-Stifter Burkhard Koch.
27. März: Im Osterbrief des Vorstandes der Diehl-Zesewitz-Stiftung ist eine Anleitung zum Basteln eines Schmetterlinges enthalten. Er symbolisiert das neue Leben nach der Zeit im Kokon. Bezogen auf die Pandemiezeit ermutigt er uns, nicht aufzugeben und positiv zu denken und auch am anderen Menschen die guten Seiten zu sehen, die vielleicht nicht auf den ersten Anschein zu entdecken sind.
Jamile Sayahi (aus dem Iran) vermisst wie die anderen Zeit-Stifter:innen das Zusammensein in der Gruppe, das Helfen bei den Stiftungstreffen. Sie sagt: „Ich habe ein gutes Wort gelernt in den letzten Monaten: Ich gebe nicht auf.“ Sie faltet Schmetterlinge für die alten Menschen, die es mit den eigenen Händen nicht mehr können. Dadurch ermuntert sie sich und die Menschen, mit denen sie sich verbunden fühlt. Wir können durch solche Zeichen und Gesten füreinander da sein und Nähe signalisieren.
Magie des Dialogs
Von Mitte Dezember 2020 bis Mitte März 2021 waren Treffen im privaten Umfeld in Magdeburg für einen Haushalt nur mit einer weiteren Person erlaubt
Für die Gruppe, die sonst in die ZeitOase kommt, bedeutete dies konkret: zwei Personen durften zusammen sein.
Einige Duos fanden sich in diesen Wochen und nutzten jeweils eine gute Stunde zum Gedankenaustausch.
Alle Dank-und Zeit-Stifter:innen bestätigten mir, wie wertvoll die Gespräche unter vier Augen sind. Diesen Schatz sollten wir uns auch nach dem Ende der Pandemie nicht mehr nehmen lassen. M.Diehl
Negativer Test mit positiver Energie
Samstag 6. März 2021, 9:20 Uhr:
Als ich im Innenhof des Bischof-Weskamm-Hauses 1 ankomme, stehen schon Angehörige von Heimbewohner:innen davor. Sie warten darauf, dass ein Fenster von innen für sie geöffnet wird, damit sie sich dem Corona Schnelltest unterziehen und bei der Negativ-Bestätigung als Besucher:innen ins Haus gehen dürfen.
Nach meinem eigenen Test mit dem Ergebnis „negativ“ schlüpfe ich in die vorgeschriebene Schutzkleidung, stelle Röhrchen und Wattestäbchen griffbereit und öffne das besagte Fenster. „Guten Morgen. Bitte sagen Sie mir Ihren Namen und auch den Vornamen.“ Nach dem Eintrag in die entsprechende Liste nehme ich eins der langen Wattestäbchen und wechsele ein paar Worte mit dem Menschen, der mir ein wenig ängstlich oder unsicher gegenübersteht. Das Abstreichen im tiefen Innenraum der Nase dauert nur ein paar Sekunden. Aber jede und jeder ist froh, wenn diese vorbei sind. Eine Viertelstunde vergeht, ehe das Ergebnis feststeht. Und diese Worte hören alle so gern: „Sie sind negativ. Eine schöne Besuchszeit wünsche ich Ihnen.“
Für viele Familien war die Adventszeit 2020 eine harte Durststrecke. Im Pflegeheim herrschte coronabedingt ein Besuchsverbot.
Die Tür zu ihren lieben Verwandten und Bekannten ist seit Ende Dezember wieder offen.
Ein Schnelltest für jede Besucherin und für jeden Besucher empfanden sicher alle als ein Weihnachtsgeschenk. Und immer wieder bedankten sich Angehörige in den vergangenen zehn Wochen, dass ihnen dieses Geschenk weiterhin an fünf Tagen in der Woche gemacht wird.
Gerne ließ ich mich als gelernte Krankenschwester im Durchführen der Tests unterweisen. So konnte ich das Pflegepersonal des Bischof-Weskamm-Hauses mit einigen Diensten unterstützen.
Jemandem zu sagen, dass der Test negativ ist, löst in dem Augenblick viel positive Energie aus. Auf jeden Fall war die pure Erleichterung jeweils unüberhörbar und die Wiedersehensfreude in den Zimmern konnte ich mir stets gut vorstellen. Mir bleibt der Dank für das Erlebnis, neue Menschen kennenzulernen und an ihren Freuden und Sorgen teilzuhaben. M. Diehl
Lichtblicke für 2021
Der Jahresrückblick 2020 liegt erst vier Wochen zurück.
Die Themen Corona und der dadurch verordnete Lockdown bestimmen nach wie vor unseren Alltag und unser Miteinander.
Wie erlebten Sie persönlich den ersten Monat des Jahres 2021?
Gab es gute Momente und Lichtblicke?
Von mir kann ich dieses berichten. Immer wieder begegnete ich Menschen, die eine große Zuversicht ausstrahlten.
Petra Metzner und Barbara Litzelmann traf ich auf dem Weg zu einem Besuch.
Mostafa Ali schrieb einen Brief für den kranken Freund in der Klinik.
Pfarrer Peter Bogdan spendete allen Bewohner:nnen und dem Pflegepersonal des Bischof-Weskamm-Hauses Segen für das neue Jahr.
Dies gilt für uns alle: Wir machen weiter! Wir bleiben uns nahe! M. Diehl